Sie haben strukturierte Texte! Und Ihre Grafiken?

Die tekom veranstaltet zweimal jährlich Tagungen (Frühjahrs- und Jahrestagung) und ermöglicht auf diese Weise einen direkten Austausch unter Kollegen. Die tekom‑Jahrestagung hat sich mittlerweile europaweit zum größten Event in der Branche entwickelt. Sie findet in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen statt und lockt Besucher aus aller Welt an. Hochrangige und renommierte Referenten präsentieren die neuesten Entwicklungen in der Branche.

In den vergangenen Jahren war Marco Jänicke regelmäßig mit Vorträgen und Workshops auf den Tagungen vertreten.

tekom Jahrestagung 2007 / Vortrag "Sie haben strukturierte Texte! Und Ihre Grafiken?"

Eine Technische Illustration dient, wie beschreibender Text, der Informationsvermittlung und kann ebenso strukturiert sein. Die Analogien werden anhand der Musterillustration eines Bürolochers und beispielhaft mit der Illustrationssoftware Corel DESIGNER X4 gezeigt. Diese Musterillustration ist ein ganzes Set von Grafiken, die für eine klassische Betriebsanleitung geeignet wäre, aber dennoch übersichtlich genug ist, um den Einstieg in das Thema zu erleichtern. Alle Varianten und Ausführungen des Bürolochers werden mit den thematisierten Arbeitstechniken in einer Illustration gepflegt.


Musterillustration Bürolocher

Warum strukturieren?

Strukturierte Grafiken besitzen folgende Vorteile:

  • erhöhte Wiederverwendbarkeit
  • vereinfachte Wiederverwendbarkeit
  • effizientere Änderbarkeit
  • automatisierte visuelle Konsistens
  • vereinfachtes Publizieren für verschiedene Medien

Wann strukturieren?

Die Strukturierung ist, wie bei Informationen in Textform, mit erhöhtem Aufwand verbunden. Der Aufwand lohnt sich immer dann, wenn

  • die Illustration über einen langen Zeitraum aktuell gehalten werden sollen.
  • das Zielmedium sich ändert.
  • Teile der Illustration referenziert mehrfach verwendet werden sollen.
  • in umfangreichen Illustrationen Orientierung benötigt wird.

Wo strukturieren?

Die Überlegungen zur Strukturierung sind Teil eines Grafikkonzepts zur Erstellung einer größeren Menge von Illustrationen. Die Grundlagen für die Strukturierung werden in einer Vorlagendatei, die das strukturelle Gerüst enthält, gelegt.

Werkzeuge der Strukturierung

Prinzipien strukturierter Informationen in Textform, unterstützt durch ein Redaktionssystem, können für Technische Illustrationen mit Funktionen des Corel DESIGNER X4 wie folgt umgesetzt werden.

  • Trennen von Inhalt und Layout – Stile und eingeschränkt Voreinstellungen
  • Modularisieren und Referenzieren von Inhalten – Referenzierte Symbole in hierarchischen Bibliotheken im Symbol-Manager
  • Strukturieren der Inhalte beim Erstellen – Symbole in hierarchischen Bibliotheken im Symbol-Manager
  • Strukturieren der Inhalte beim Publizieren – Ablage in hierarchischen Bäumen in Gruppen und Symbolen im Objekt-Manager
  • Klassifizieren und Filtern von Informationen – Ebenen im Objekt-Manager
  • Single Source Publishing – Stile und Ebenen


Strukturieren im Corel DESIGNER X4

Ein Beispiel aus dem Werkzeugkasten: Stile

Ein Stil ist eine Sammlung von Objekteigenschaften. Wird einem Objekt ein Stil zugewiesen, erhält das Objekt in einem Arbeitsschritt alle Eigenschaften des Stils. Stile verringern den Arbeitsaufwand und die erforderliche Arbeitszeit erheblich, wenn vielen verschiedenen Objekten dieselben Eigenschaften zugewiesen werden müssen. Außerdem stellen Stile ein konsistentes Erscheinungsbild, entsprechend einem Grafikkonzept, sicher. Stile sind damit ein wesentliches Instrument für eine nachhaltige Illustration. Wurde ein Stil einem Objekt zugewiesen, sind die Eigenschaften des Objekts zum Stil referenziert. Wird also der Stil geändert, ändern sich alle Objekte denen dieser Stil zugewiesen wurde. So kann einerseits eine Grafik schnell geändert und andererseits beim Neuerstellen Eigenschaften systematisch zugewiesen und referenziert werden. Es wird also das Prinzip, Trennung von Inhalt und Layout umgesetzt. Für eine Illustration ist dieses Prinzip besser mit Trennung von Aussehen und Eigenschaft beschrieben.

Bei der Festlegung der Stile stellen sich nicht zuerst die Fragen:

  • Welche Linienarten kommen in der Illustration vor?
  • Welche Textarten kommen in der Illustration vor?

Die Überlegung muss dahin gehen:

  • Welche Objekte sollen durch ihre Auszeichnung, d.h. Eigenschaften, voneinander getrennt werden?

Ein Beispiel: Der Grafikstil „Volllinie breit“ wird dem Umriss einer illustrierten Baugruppe zugewiesen und gleichzeitig auch den grafisch angedeuteten umgebenden Maschinenteilen, die nicht Lieferumfang sind. Für den Moment ist möglicherweise das Erscheinungsbild so gewollt. Sollen aber die umgebenden Maschinenteile, aufgrund neuer Anforderungen, grau dargestellt werden, müssen diese entweder manuell formatiert werden oder doch ein eigener Stil zugewiesen werden. Durch gruppierte Objekte mit verschiedenen Stilen kann das sehr zeitaufwendig sein. Es wäre also nachhaltiger, dem Umriss der illustrierten Baugruppe den Stil „Kontur 01“ und Umriss der umgebenden Maschinenteile den Stil „Kontur 02“ zuzuweisen. Dementsprechend sollten Stile immer informationsbezogen und nicht eigenschaftsbezogen angelegt werden.

Im Vortrag werden weiterhin auch die Aspekte von Ebenen, Seiten, Gruppen und referenzierten Symbolen am Beispiel besprochen.

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