Grafische Terminologie zur Maschinebeschreibung

Die tekom veranstaltet zweimal jährlich Tagungen (Frühjahrs- und Jahrestagung) und ermöglicht auf diese Weise einen direkten Austausch unter Kollegen. Die tekom‑Jahrestagung hat sich mittlerweile europaweit zum größten Event in der Branche entwickelt. Sie findet in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen statt und lockt Besucher aus aller Welt an. Hochrangige und renommierte Referenten präsentieren die neuesten Entwicklungen in der Branche.

In den vergangenen Jahren war Marco Jänicke regelmäßig mit Vorträgen und Workshops auf den Tagungen vertreten.

tekom Jahrestagung 2006 / Vortrag "Grafische Terminologie zur Maschinenbeschreibung"

Eine sichere und effektive Benutzung von Maschinen setzt das Verständnis von Aufbau und Funktion voraus. Diese Beschreibung, die noch keine direkte Instruktion darstellt, erfordert viel Aufwand bei Erstellung, Pflege und Übersetzung. Zur Minimierung dieses Aufwandes wurde eine grafische Terminologie entwickelt mit der sich Aufbau und Funktion der Maschine im wesentlichen sprachunabhängig abbilden lassen.

Ausgangssituation

  • Betriebsanleitung im Maschinen- und Anlagenbau
  • maximaler Kostendruck, da Sondermaschinen
  • Vorstellung der Sondermaschinenhersteller: „Unser Kunde weiß was geliefert wird ...“, „ ... das ist doch Alles abgesprochen ...“, „Das sieht man doch Alles an der Maschine ...“

Grundlagen für die Forderung nach einer Maschinenbeschreibung

  • 98/37/EG (95/16/EG) Anhang II, Teil A und B: Die EG-Konformitätserklärung und Herstellererklärung muss eine „Beschreibung der Maschine“ enthalten.
  • 2006/42/EG, Anhang I, 1.7.4.2, d) „... allgemeine Beschreibung der Maschine“.
  • DIN ISO 12100-2, 6.5.1 c) „genaue Beschreibung der Maschine ...“
  • EN 62079, 5.10.1 „Die Betriebsanleitung muss anwendbare Informationen bezogen auf das Produkt selbst enthalten: detaillierte Beschreibung des Produkts, seiner Zubehörteile, ...“
  • tekom Leitfaden Betriebsanleitungen, 3.2 „Produktbeschreibung“.

Klassische Maschinenbeschreibung

Beispiel für eine kurze Beschreibung des Schwenkdrehtischs SDA 400 FHV.

Einfaches Beispiel

“Der Schwenkdrehtisch besitzt eine Schwenkachse A und eine Drehachse C. Beide Achsen werden von einem wassergekühlten Einbaumotor angetrieben und positioniert. Der Schwenkwinkel der Schwenkachse A wird von einem Abtastkopf überwacht, die Endlagen von zwei induktiven Sensoren. Der Drehwinkel der Drehachse C wird von einem Winkelmassgerät überwacht. Beide Achsen werden von einer Federkraftklemmung in ihrer Position gehalten. Die Federkraftklemmung wird hydraulisch gelöst. Die Gehäuse der beiden Achsen werden durch Sperrluft an der Planscheibe gegen Verunreinigungen geschützt. Auf der Planscheibe der Drehachse C befinden sich vier federbelastete Spannelemente zum Halten einer Maschinenpalette. Die Spannelemente werden hydraulisch gelöst. In der Drehachse C befindet sich eine Hydraulik-Drehdurchführung zur Versorgung der Spannelemente. Alle Medien werden an der A-Achse über eine Energiekette an die Gesamtmaschine übergeben.“


Schwenkdrehtisch

Dieser Bruchteil einer Betriebsanleitung, mit 928 Anschläge und ca. 17 Zeilen, könnte bei einem Zeilenpreis von 1 € und 10 Sprachen 170 € entsprechen.

Vorteile

  • bewährt, gebräuchlich und anerkannt
  • einfach und von jedem Redakteur erstellbar

 Nachteile

  • teuer in der Pflege (auch für kleinste Änderungen ist ein Übersetzungslauf notwendig)
  • keine Lesemotivation
  • Zusammenhänge sind nicht schnell erfassbar

Grafische Maschinenbeschreibung

Die Grafische Maschinenbeschreibung ist die Basis der technischen Kommunikation. Diese Art der Maschinenbeschreibung ist umfangreich genormt:

  • Maschinebauzeichnungen (DIN 6, DIN 406, DIN ISO 1101, ...)
  • Fluidpläne (DIN ISO 1219, ...)
  • E-Pläne (DIN 40900, ...)
  • Schmierpläne (DIN 8659-1, ...)
  • Software (Programmablaufplan DIN 66001, Struktogramm DIN 66261, ...)
  • Beschreibung von Prozessen (NC-Werkzeugmaschinen DIN 55003-3, Handhabungstechnik VDI 2860, ...)
  • Funktionsdiagramme (VDI 3260, ...)
  • Herstellerabhängige Schemen (SIEMENS KKS, ...)

Vorteile

  • in den Hauptgebieten hohe Verständnisquote
  • umfangreich genormt

Nachteile

  • meist Medienbezogen
  • meist nicht geeignet um Zusammenhänge über Medien, Baugruppen und Funktionen hinweg zu beschreiben
  • Zusammenhänge werden oft nur durch spezielle Nummernkreise mit verschiedenen Kennbuchstaben und Formatierungen hergestellt

Grafische Terminologie zur Maschinenbeschreibung

An Hand des oben genannten Beispiels zur klassischen Maschinenbeschreibung soll nachfolgend der Schwenkdrehtisch grafisch beschrieben werden.

Einfaches Beispiel


Grafische Beschreibung des Schwenkdrehtischs

Im ersten Schritt wird eine markante Ansicht des Maschinenbaus gewählt und diese im zweiten Schritt vereinfacht und symbolisiert. Anschließend werden die Medien eingetragen (E-Technik, Pneumatik, Hydraulik, Kühlwasser). In weiteren Schritten werden Schnittstellenbezeichnung, Typenbezeichnung, Positionsnummern und Eigenschaften positioniert.

Komplexeres Beispiel
Grafische Beschreibung eines Spezialtransporters, basierend auf:

  • 2 Seiten DIN-A0 Pneumatikplänen
  • 10 Seiten DIN-A0 Hydraulikplänen
  • 100 Seiten DIN-A4 E-Plänen
  • 2 Seiten DIN-A1 Kälteschema
  • 2 Seiten DIN-A1 Abgasanlage
  • 3 Seiten DIN-A1 Kraftstoffanlage

Vorteile

  • medienübergreifend
  • Zusammenhänge und übergreifende Funktionen beschreibbar
  • Zusammenhänge sind sehr schnell erfassbar
  • hohe Lesemotivation
  • Ersatz für eine klassische Maschinenbeschreibung
  • geringe Übersetzungskosten
  • zielgruppengerecht

Nachteile

  • nicht in dieser Form genormt
  • nur in Teilbereichen genormt
  • weiterhin ist eine Legende zur Beschreibung nötig (aber wesentlich weniger Text, bei Änderungen ist durch einfache Grammatik und Substantiven nur selten ein Übersetzungslauf notwendig).
  • Anwendertests sind notwendig

Ausblick

  • weitere Systematisierung über verschiedene Branchen hinweg
  • weitere Systematisierung über verschiedene Medien hinweg, zum Beispiel Datenströme und Zustände von Baugruppen an einem CAN-Bus
  • Verwendung von Farben für bestimmte Anwendungsfälle
  • Internationalisierung
  • verbesserte Anwendertest



Grafische Beschreibung eines Spezialtransporters

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